St. Matthew's (Auckland)


St. Matthew's (Auckland)
Kurz & Kompakt
Raum-Nr.
A1R1-C001-A001-0000-K001
Index
000046

Allgemeines

St Matthew-in-the-City ist eine anglikanische Pfarrkirche im Central Business District (CBD) von Auckland, Neuseeland. Das Gotteshaus zählt zu den bedeutendsten Beispielen der englischen Neugotik (Early English Gothic Revival) auf der Südhalbkugel und gilt als einer der architektonisch herausragenden Sakralbauten des Landes. Die Kirche gehört zur Anglikanischen Kirche in Aotearoa, Neuseeland und Polynesien und dient zugleich als Pfarrkirche, Konzertkirche sowie Veranstaltungsort für staatliche und gesellschaftliche Gedenkfeiern.

Lage

Die Kirche befindet sich an der 132–134 Hobson Street im historischen Zentrum Aucklands. Das Grundstück liegt auf einem Höhenrücken westlich der Queen Street und gehörte zu den frühen kirchlichen Standorten der kolonialen Stadtgründung. Bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Ort ununterbrochen für anglikanische Gottesdienste genutzt.

Geschichte

Mit dem Wachstum Aucklands in den 1840er Jahren entstand westlich der Queen Street ein neues Wohn- und Geschäftsviertel. Bischof George Augustus Selwyn, der erste anglikanische Bischof Neuseelands, erwarb deshalb 1843 ein Grundstück an der heutigen Hobson Street. Ab 1853 fanden Gottesdienste zunächst in einem hölzernen Schulgebäude statt.

Die Pfarrgemeinde wurde 1855 offiziell gegründet. Unter dem ersten Pfarrer Frederick Thatcher, zugleich Architekt mehrerer früher Kirchen Neuseelands, entwickelte sich St Matthew's rasch zu einer wohlhabenden Gemeinde der Kaufleute, Unternehmer und Geschäftsleute Aucklands. 1863 entstand unmittelbar neben dem Schulhaus eine erste neugotische Holzkirche.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts genügte dieses Gebäude den Ansprüchen der wirtschaftlich prosperierenden Gemeinde nicht mehr. 1896 beschloss das Kirchenkomitee den Neubau einer repräsentativen Steinkirche. Mit der Planung wurde der englische Architekt John Loughborough Pearson, einer der bedeutendsten Vertreter der viktorianischen Neugotik und Architekt der Kathedrale von Truro, beauftragt. Nach seinem Tod im Jahr 1897 übernahm sein Sohn Frank Loughborough Pearson die Planung und entwickelte den endgültigen Entwurf.

Der Grundstein wurde am 23. April 1902 durch den damaligen Generalgouverneur Lord Ranfurly gelegt. Nach rund dreijähriger Bauzeit wurde die Kirche am 7. März 1905 feierlich eröffnet. Sie ersetzte die ältere Holzkirche vollständig und prägt seitdem das Stadtbild Aucklands.

Baugeschichte

Die heutige Kirche stellt die dritte kirchliche Bebauung des Grundstücks dar:

  • 1843: Erwerb des Grundstücks durch Bischof George Selwyn.
  • 1853: Errichtung eines hölzernen Schulgebäudes mit Gottesdienstraum.
  • 1863: Bau einer ersten neugotischen Holzkirche neben dem Schulhaus.
  • 1896: Beschluss zum Neubau einer monumentalen Steinkirche.
  • 1897: Tod des ursprünglich beauftragten Architekten John Loughborough Pearson; Übernahme des Projektes durch seinen Sohn Frank Loughborough Pearson.
  • 1902: Grundsteinlegung und Baubeginn.
  • 1905: Fertigstellung und Weihe der heutigen Kirche.
  • 1907: Einbau des Geläuts sowie der großen Pfeifenorgel.
  • 1919–1925: Ergänzung der Innenausstattung um steinerne Kanzel und Kriegergedenkstätten des Ersten Weltkriegs.
  • 1967: Einbau der aus der abgebrochenen St Thomas’ Church übernommenen Lady Chapel (heute Peace Chapel).
  • 1968–1970: Umfassende Restaurierungsarbeiten an Bauwerk und Ausstattung.
  • Seit den 1990er Jahren: Mehrere denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen, insbesondere an Dach, Natursteinfassaden und Gewölben, sicherten den langfristigen Erhalt des Bauwerks.

Architektur

Die Kirche entstand im Stil der Early English Gothic Revival. Sie wurde aus hellem Oamaru-Kalkstein auf einem Sockel aus vulkanischem Blaustein errichtet. Ursprünglich war ein hoher Turmhelm vorgesehen, dieser wurde jedoch nie ausgeführt; stattdessen erhielt der Turm einen zinnenartigen Abschluss mit Fialen.

Der Grundriss orientiert sich an einer frühgotischen Basilika. Das hohe Mittelschiff wird von doppelten Seitenschiffen begleitet und durch schlanke Steinpfeiler gegliedert. Große Obergadenfenster sorgen für eine helle Belichtung des Innenraums. Als architektonische Besonderheit gilt das vollständig in Stein ausgeführte Kreuzrippengewölbe, das als eines der qualitätvollsten Beispiele dieser Bauweise in Neuseeland angesehen wird. Die Kirche besitzt ein Fassungsvermögen von etwa 1.400 Personen.

Ausstattung

Die Innenausstattung verbindet neugotische Gestaltung mit zahlreichen Erinnerungs- und Gedenkobjekten des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind:

  • die monumentale Pfeifenorgel mit 3.004 Pfeifen,
  • ein Geläut aus acht Glocken, von denen mehrere bereits 1862 gegossen wurden,
  • zahlreiche Bleiglasfenster mit biblischen und memorialen Darstellungen,
  • die Peace Chapel (ehemalige Lady Chapel),
  • Gedenktafeln und Chorgestühl für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs,
  • ein Gedenkort für die Opfer des Mount-Erebus-Flugzeugunglücks von 1979,
  • ein in einen Pfeiler eingelassener, etwa 1.300 Jahre alter Stein aus den Ruinen der Abtei St Augustine in Canterbury (England), der symbolisch die Verbindung zur englischen Kirchengeschichte herstellt.

Bedeutung

St Matthew-in-the-City besitzt den Status eines Historic Place Category 1 und gehört damit zu den bedeutendsten Kulturdenkmalen Neuseelands. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Architektur, ihrer hohen denkmalpflegerischen Bedeutung und ihrer Rolle im öffentlichen Leben Aucklands zählt sie zu den bekanntesten anglikanischen Kirchen des Landes. Seit den 1970er Jahren entwickelte sich die Gemeinde zudem zu einer der profiliertesten liberalen und sozial engagierten Kirchengemeinden Neuseelands und setzt sich insbesondere für gesellschaftliche Inklusion und Menschenrechte ein.

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