Heuss, Theodor

Liberaler Politiker und erster Bundespräsident (BRD)

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Heuss, Theodor
Kurz & Kompakt
Raum-Nr.
B1S1-P002-A002-P036-Z019
Index
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  • Geburtstag:
    31. Januar 1884
  • Geburtsort:
    Brackenheim
  • Geburtsland:
    Deutschland
  • Sterbedatum:
    12. Dezember 1963
  • Sterbeort:
    Stuttgart
  • Sterbeland:
    Deutschland

Theodor Heuss (31.Januar 1884 – 12.Dezember 1963) war ein westdeutscher liberaler Politiker, der von 1949 bis 1959 als erster Präsident der Bundesrepublik Deutschland fungierte. 1948 wurde er außerdem der erste Vorsitzende der in diesem Jahr neu gegründeten Freien Demokratischen Partei (FDP). [1]

Frühes Leben und Ausbildung

Heuss wurde in Brackenheim, einer kleinen Stadt in Württemberg in der Nähe von Heilbronn geboren. Heuss besuchte das Karlsgymnasium in Heilbronn und schloss es 1902 ab. Das Gymnasium heißt jetzt Theodor-Heuss-Gymnasium und ehrt damit seinen berühmten Absolventen.

Theodor Heuss studierte Wirtschaft, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten München und Berlin. Er promovierte 1905 in München bei Lujo Brentano als Doktorandenberater. Er wurde auch ein Student von Friedrich Naumann, ein deutscher Politiker und Theologe. [2]

Am 11. April 1908 heiratete er Elly Heuss-Knapp (1881-1952), mit der er einen Sohn hatte. Die evangelisch-lutherische Trauung in Straßburg vollzog Albert Schweitzer, ein enger Freund von Elly. [3]

Anfänge, NS- und Nachkriegszeit

Theodor Heuss wurde 1919 zum Landrat in Berlin-Schöneberg gewählt. Zwischen 1924 und 1928 sowie zwischen 1930 und 1933 war er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) im Reichstag, der er 1918 beitrat.

Am 23. März 1933 stimmte er zusammen mit den anderen vier Abgeordneten der DDP für das deutsche Ermächtigungsgesetz, das Adolf Hitler das Recht einräumte, Gesetzestexte ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen.

Nach dem Ende seiner Amtszeit kehrte er ins Privatleben zurück. Er blieb in Kontakt mit einem Netzwerk von Liberalen, was gegen Kriegsende zu Kontakten mit dem deutschen Widerstand führte; Heuss war allerdings kein aktiver Widerständler. 1936 sah sich Heuss mit einem Publikationsverbot konfrontiert, wurde jedoch 1941 Angestellter der Frankfurter Zeitung, einer der wenigen liberalen Zeitungen dieser Zeit. Heuss schrieb unter Pseudonymen, bis die Veröffentlichung der Zeitung 1943 endgültig verboten wurde. In den folgenden Jahren verfasste er eine Biographie von Robert Bosch. [4]

Nach dem Sturz des Dritten Reiches war Heuss Minister für Bildung und Kultur in Baden-Württemberg, in dessen Landtag er von 1945 bis 1949 saß, zunächst für die Demokratische Volkspartei (DVP). Er unterstützte den Zusammenschluss der verschiedenen liberalen Parteien in den westlichen Besatzungszonen und erreichte dieses Ziel 1948 mit der Gründung der Freien Demokratischen Partei (FDP), deren erster Präsident er wurde. Er war Mitglied des Parlamentarischen Rates und für die Ausarbeitung des Grundgesetzes verantwortlich. [5]

Bundespräsident

Die erste Bundesversammlung wählte ihn am 12. September 1949 zum Bundespräsidenten. Das Bonner Grundgesetz räumt dem Präsidenten entgegen der Weimarer Verfassung im Wesentlichen repräsentative Funktionen ein.

1954 wurde Heuss wiedergewählt, nachdem die Sozialdemokraten auf die Ernennung eines Gegenkandidaten verzichtet hatten. Erst im Mai 1956 konnte er auf Einladung von König Paul von Griechenland seinen ersten Staatsbesuch machen. Der Präsident, begleitet von Außenminister Heinrich von Brentano, erfuhr eine herzliche Aufnahme in Athen, obwohl das Land während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkriegs schwer gelitten hatte. Er blieb bis zum Ende seiner Amtszeit am 12. September 1959 im Amt. Eine dritte Amtszeit lehnte er ab, da dies eine Änderung der Verfassung erforderlich gemacht hätte, was er nicht wollte.

1959 wurde er mit dem Friedenspreis der deutschen Buchhändler ausgezeichnet. Er starb am 12. Dezember 1963 in Stuttgart. [6]

Einordnung

Neben dem strengen Kanzler Konrad Adenauer wirkten Heuss' herzliche Umgangsformen während der Wirtschaftswunderjahre positiv auf das Außenbild Deutschlands. Theodor Heuss genoss auch große Beliebtheit in der Bevölkerung. Bewusst kehrte er zu den politischen, demokratischen und spirituellen Traditionen zurück, mit denen das NS-Regime gebrochen hatte. Er stärkte durch innenpolitische Maßnahmen die Rolle der politischen Opposition. Durch seine offiziellen Besuche gewann Deutschland im Ausland wieder zunehmend an Bedeutung. [7]

Nachwirkung

Seit 1964 wird der Theodor-Heuss-Preis für vorbildliche bürgerschaftliche Initiative verliehen. Heuss' ehemaliger Wohnsitz ist heute als Theodor-Heuss-Haus öffentlich zugänglich. Sein Bild erschien auf einer Serie der Zwei-Mark-Münze und zahlreiche Straßen und Plätze in ganz Deutschland wurden ihm zu Ehren benannt. Während seiner Amtszeit erschien sein Bild auch auf den von 1954 bis 1960 in Westdeutschland herausgegebenen Briefmarken. Ein von der Regierung eingesetzter Airbus A310 der Luftwaffe trägt ebenfalls seinen Namen. [8]

 

Quellenangaben:

[1] Radkau, Joachim: Theodor Heuss, 1.Auflage, Hanser, München, 2013, S.15
[2] Radkau, Joachim: Theodor Heuss, 1.Auflage, Hanser, München, 2013, S.18 ff.
[3] Oermann, Nils Ole: Albert Schweitzer 1875-1965: Eine Biographie, 1.Auflage, C.H.Beck, München, 1967, S.281
[4] Becker, Ernst Wolfgang: Theodor Heuss. Bürger im Zeitalter der Extreme, 1.Auflage, Kohlhammer, Stuttgart, 2011, S.143 ff.
[5] Radkau, Joachim: Theodor Heuss, 1.Auflage, Hanser, München, 2013, S.98 ff.
[6] Radkau, Joachim: Theodor Heuss, 1.Auflage, Hanser, München, 2013, S.179 ff.
[7] Günther, Frieder: Heuss auf Reisen – Die auswärtige Repräsentation der Bundesrepublik durch den ersten Bundespräsidenten, 1.Auflage, Franz Steiner, Stuttgart, 2006, S.156 ff.
[8] Theodor-Heuss-Stiftung (Hrsg.): Mut zur Bürgergesellschaft, 1.Auflage, Stuttgart, 1994, S.32 ff.