Ulbricht, Walter

dt. Politiker, ehem. Staatsratsvorsitzender der DDR

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Ulbricht, Walter
Kurz & Kompakt
Raum-Nr.
B1S1-P002-A002-P035-S003
Index
000002
  • Geburtstag:
    30. Juni 1893
  • Geburtsort:
    Leipzig
  • Geburtsland:
    Deutschland
  • Sterbedatum:
    01. August 1973
  • Sterbeort:
    Groß Dölln
  • Sterbeland:
    Deutschland

Walter Ulbricht war ein deutscher Politiker, Parteiführer und Staatsmann.

Frühe Jahre

Walter Ernst Paul Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war das erste Kind des Ehepaares Pauline Ida und Ernst August Ulbricht. Fünf Jahre später kam Schwester Hildegard zur Welt. Nach zwei weiteren Jahren machte Bruder Erich die Familie komplett. Die Ulbrichts lebten in der Gottschedstraße westlich des Stadtzentrums. Beide Eltern waren gelernte Schneider. Während die Mutter meist den Haushalt führte, übernahm der Vater anspruchsvolle Auftragsarbeiten. Aufgrund seines Könnens genoss er als Schneidermeister ein hohes Ansehen. [1] Doch sein Wunsch, ein eigenes Textilgeschäft zu eröffnen, blieb ein Traum. Aus Enttäuschung darüber, dass er trotz guter Arbeit keine Chance hatte, sozial aufzusteigen, engagierte sich Ernst Ulbricht in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Wie seine Frau hatte er bereits in jungen Jahren der Kirche den Rücken gekehrt. Er war Mitglied des Vorstandes der Schneidergewerkschaft, Vertrauensmann der SPD und Jugendbeirat der in der Arbeiterjugend Alt-Leipzig. [2] Obwohl der Vater viel arbeitete und die Mutter oft kränkelte, unternahmen die Ulbrichts an den Wochenenden oft Ausflüge ins Grüne, wobei der Vater den Kindern die Pflanzenwelt erklärte. [3]

Schulzeit in Leipzig

Ab 1899 besuchte Walter Ulbricht die 5. Bezirksschule [4], eine Volksschule in Leipzig Zentrum-West. Das nur zwei Straßen von seinem Wohnhaus entfernt liegende Schulgebäude wurde erst 11 Jahre zuvor als Neubau errichtet. Ulbricht erhielt keinen Religionsunterricht, begeisterte sich aber sehr für Sport, Naturwissenschaften und klassische Literatur. Sein Klassenlehrer war ein Naturfreund, der zweimal im Jahr mit den Schülern eine zweitägige Wanderung unternahm und die gesamte Verpflegung aus seiner Tasche bezahlte. Als er das Interesse Walter Ulbrichts an Pflanzen und Tieren bemerkte, lieh er ihm Bücher von Haeckel und Darwin. So konnte sich der junge Ulbricht im Alter von etwa 13 Jahren bereits ein umfangreiches naturwissenschaftliches Allgemeinwissen aneignen. Dem Vorschlag des Lehrers, Ulbricht auf ein Gymnasium zu schicken, konnten die Eltern aus finanziellen Gründen nicht folgen. [5] Mit 14 Jahren erhielt Walter Ulbricht die Jugendweihe. Er verließ die Schule 1907 am Ende der regulären Schulzeit.

Ausbildung und Wanderjahre

Ab 1907 erlernte Walter Ulbricht an der städtischen Gewerbeschule Leipzig den Beruf eines Möbeltischlers. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Turnvereins Eiche und 1908 trat er in die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) ein. Er engagierte sich im 1906 gegründeten Arbeiterjugend-Bildungsverein. Dort bildete er sich in Natur- und Gesellschaftswissenschaften sowie in Literatur, Architektur und bildender Kunst weiter. An einem von ihm und zwei weiteren Tischlerlehrlingen gefertigten Rednerpult soll Ulbricht zu dieser Zeit seine erste Rede gehalten haben. [6] Seit 1910 war er Mitglied des Deutschen Holzarbeiterverbandes. 1911 hatte Ulbricht seinen Gesellenbrief in der Tasche und ging mit zwei anderen Handwerksgesellen auf Wanderschaft durch Böhmen, Bayern, Österreich, Italien, die Schweiz, Nordwestdeutschland, Belgien und Holland. Überall machten die Landschaften, die Kunstschätze und die Architektur großen Eindruck auf den 18-Jährigen. Zudem lernte er auf dieser Wanderschaft die Sorgen und Nöte der arbeitenden Menschen in den verschiedenen Regionen kennen. Im Laufe des Jahres 1912 kam Walter Ulbricht um viele Erfahrungen reicher nach Leipzig zurück. Er war nun 19 und trat von der SAJ in die SPD über. Er besuchte die SPD-Parteischule und schrieb, kaum 20 Jahre alt, eine 74-seitige Abhandlung zum Thema "Die Entwicklungsgeschichte von Natur und Gesellschaft", die später als dogmatisch bezeichnet wurde. [7]

Erster Weltkrieg und 20er Jahre

Als junger SPD-Parteifunktionär und Angehöriger der Liebknecht-Gruppe in Leipzig trat Ulbricht 1913 gegen die Kriegskreditbewilligung auf. Trotz der Proteste kam es 1914 zur Mobilmachung und Ulbricht wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Bei der Truppe war er als Stellmacher bei der Magazin-Fuhrpark-Kolonne im Rang eines Gefreiten tätig. Er wurde in Polen, Serbien und an der Westfront eingesetzt. Während der Novemberrevolution 1918 konnte sich Ulbricht durch Flucht einem Militärgericht entziehen, das ihn wegen der Verteilung von Flugblättern verurteilen wollte. Er wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates Leipzig. Als 1919 aus dem linken Flügel der SPD die KPD entstand, gehörte Ulbricht zu ihren ersten Mitgliedern und wurde in die Bezirksleitung Mitteldeutschland gewählt. 1920 heiratete er seine langjährige Freundin Martha Schmellinsky. Die gemeinsame Tochter Dorle wurde geboren. Im März 1920 war Ulbricht Mitglied der Kampfleitung zur Abwehr des Kapputsches in Leipzig. Ab 1921 war er Bezirkssekretär der KP in Großthüringen. Auf dem VII. Parteitag der KPD in Jena traf er Ernst Thälmann. 1922 schickte die Partei Ulbricht zum IV. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale nach Moskau und Petrograd, wo er als Mitglied der deutschen Delegation Lenin sah. Im Januar 1923 wurde er auf dem VIII. KPD-Parteitag in Leipzig in die Zentrale der Partei gewählt. Wegen eines vorläufigen Verbots der KPD in den Jahren 1923/24 und eines gegen ihn vorliegenden Haftbefehls ging Ulbricht wieder nach Moskau. Ab 1924 war er dort für die Kommunistische Internationale tätig und nahm an einem Lehrgang in der Leninschule teil. Er lernte dort die französische Journalistin Rosa Michel kennen, die seine Geliebte wurde. Aus dieser Beziehung ging die Tochter Rose hervor, die später mit einer Halbschwester bei ihrer Mutter in Frankreich aufwuchs. 1925 war Ulbricht in Prag und Wien als Parteiinstrukteur tätig. Wieder zurück in Deutschland, wählte man ihn 1926 in den sächsischen Landtag. 1928 wurde Ulbricht Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Ebenfalls 1928 begann seine Zeit als Reichstagsabgeordneter in Berlin. Als im selben Jahr seine Mutter starb, traf seinen Vater und seine Geschwister anlässlich der Beerdigung in Leipzig und sollte sie für lange Zeit nicht wieder sehen. Sein Bruder wanderte 1928 in die USA aus und seine Schwester zog mit ihrem Mann nach Bad Segeberg.  

30er Jahre und Zweiter Weltkrieg

Anfang der 30er Jahre trat Walter Ulbricht bei politischen Massenkundgebungen auf, bei denen auch Ernst Thälmann und Joseph Goebbels zu Wort kamen. Als 1933 die NSDAP an die Macht kam und die KPD den Wahlkampf verloren hatte, wurde Ulbricht von seiner Partei aus Sicherheitsgründen in die Emigration nach Paris, Prag und Moskau geschickt. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion rief Walter Ulbricht als Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland, zudem später auch Generalfeldmarschall Paulus gehörte, deutsche Frontsoldaten zum Überlaufen auf. Sein Vater starb währenddessen als einsamer alter Mann in Leipzig nach einem Luftangriff. [8] Nach der Kapitulation der Wehrmacht 1945 kehrte Ulbricht mit der Roten Armee nach Deutschland zurück. Er hatte sich von seiner Frau und seiner Geliebten getrennt und heiratete seine neue Liebe Lotte, eine deutsche Kommunistin, die er in Moskau kennengelernt hatte.

Nachkriegsdeutschland und DDR

Zurück in Deutschland organisierte Ulbricht in der sowjetischen Besatzungszone den Wiederaufbau. Gemeinsam mit Wilhelm Pieck war er Gründungsmitglied der SED, die aus dem Zusammenschluss von KPD und SPD hervorging. Als 1949 die DDR gegründet wurde, fungierte Wilhelm Pieck als erster Präsident des neuen ostdeutschen Staates. Walter Ulbricht übernahm die Funktion des Generalsekretärs des Zentralkomitees der SED. Bis 1960 war Walter Ulbricht stellvertretender Ministerpräsident und von 1960 bis zu seinem Tod 1973 Vorsitzender des Staatsrats der DDR. Um das Land wirtschaftlich zu stärken, entschied sich der inzwischen 68-Jährige 1961 in Absprache mit den Staaten des Warschauer Vertrags für den Bau einer Mauer um Westberlin. Mit den praktischen Angelegenheiten rund um den Mauerbau beauftragte er den 19 Jahre jüngeren Erich Honecker. In Zusammenhang mit geänderten Ein- und Ausreiseregeln sollte die Mauer verhindern, dass Ostberliner in Westberlin arbeiten und ihr Geld zu hohen Wechselkursen in DDR-Mark tauschen, dass Westberliner sich in Ostberlin mit subventionierten Lebensmitteln eindecken und dass Ost-Akademiker in den Westen abwandern. Selbst als Ulbricht jenseits der 75 war, hatte er bezüglich des Voranbringens der DDR-Wirtschaft noch kühne Pläne. Seine Pläne von einer computerisierten Produktion und weiteren Reformen erschienen jedoch seinen Parteifreunden und Verbündeten zu gewagt, sodass sie ihm 1972 das Heft aus der Hand nahmen. Zu dieser Zeit leitete bereits Erich Honecker die Staatsgeschäfte. Offiziell behielt Walter Ulbricht sein Amt als Staatsratsvorsitzender bis zu seinem Tod. Er starb am 1. August 1973 im Alter von 80 Jahren in Groß Dölln bei Berlin, während in der DDR-Hauptstadt die X. Weltfestspiele der Jugend in vollem Gange waren.   

Quellenangaben:

[1] Frank, Mario: Walter Ulbricht – eine deutsche Biografie, Siedler Verlag, S.37
[2] Becher, Johannes Robert: Walter Ulbricht – ein deutscher Arbeitersohn, Dietz-Verlag Berlin, 1967, S.9
[3] Stern, Carola: Walter Ulbricht, eine politische Biografie, Kiepenheuer & Witsch Köln und Berlin, 1965, S.5
[4] Becher, Johannes Robert: Walter Ulbricht – ein deutscher Arbeitersohn, Dietz-Verlag Berlin, 1967, S.13
[5] Stern, Carola: Walter Ulbricht, eine politische Biografie, Kiepenheuer & Witsch Köln und Berlin, 1965, S.8
[6] Becher, Johannes Robert: Walter Ulbricht – ein deutscher Arbeitersohn, Dietz-Verlag Berlin, 1967, S.21
[7] Stern, Carola: Walter Ulbricht, eine politische Biografie, Kiepenheuer & Witsch Köln und Berlin, 1965, S.10
[8] Stern, Carola: Walter Ulbricht, eine politische Biografie, Kiepenheuer & Witsch Köln und Berlin, 1965, S.3

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