Erich Honecker wurde am 25.8.1912 als viertes von sechs Kindern eines kommunistischen Bergarbeiters in Neunkirchen im Saarland geboren. [1]
Er wurde in kommunistisch geprägten Kinder- und Jugendorganisationen sozialisiert. 1922 erfolgte der Eintritt in den Jung-Spartakus-Bund und 1926 der Beitritt zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands, dessen Leitung er ab 1929 übernahm. [2]
Beruflich entwickelte sich Honeckers Laufbahn weniger geradlinig.
Durch die damals herrschende Krise in den saarländischen Kohlebergwerken arbeitete er als Jugendlicher zunächst auf einem Bauernhof in Pommern, bevor er 1928 ins Saarland zurückkehrte und eine Lehre als Dachdecker begann.
Diese schloss er jedoch nicht ab, da er zur Lenin-Schule in Moskau, einer kommunistischen Kaderschmiede entsandt wurde. [3]
Eine erste schwere Zäsur bildete die NS-Zeit, in der die KPD von den Nationalsozialisten verboten wurde. Als das Saarland 1935 bei der Saarabstimmung mit überwältigender Mehrheit die Eingliederung ins nationalsozialistische Deutschland beschloss, flüchtete Erich Honecker nach Frankreich. 1935 reiste er unter einem Decknamen nach Berlin, um im Untergrund für die kommunistische Idee zu kämpfen. Er wurde im Dezember des gleichen Jahres von der Gestapo verhaftet und zwei Jahre später zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. So sagt Honecker über sich selbst: "Ich kann mich an keinen Augenblick in meinem Leben erinnern, da ich an unserer Sache gezweifelt hätte – (…) weder im antifaschistischen Widerstandskampf 1933 bis 1935 noch im faschistischen Zuchthaus 1937 bis 1945, weder in (…) dem Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei, (…) noch vor dem 'Volksgerichtshof' im Juni 1937, weder in der Kaserne der 'Leibstandarte Adolf Hitler', der faschistischen Schutzstaffel (SS) Ende 1935 noch im Angesicht des Henkers, der während der anderthalb Jahre Untersuchungshaft mein ständiger Begleiter war." [4]
In der darauffolgenden Nachkriegszeit wurde Erich Honecker durch die Kommunisten Hans Mahle und Waldemar Schmidt der "Gruppe Ulbricht" zugeführt und übernahm 1946 den Vorsitz der neu gegründeten "Freien Deutschen Jugend" (FDJ).
Nach der Fusionierung der SPD und KPD zur SED trat Honecker der FDJ bei und machte sich als Organisator großer Jugendtreffen einen Namen.
Nach einer weiteren Schulung in Moskau (1955-1957) übernahm er anschließend als Sekretär die Verantwortung für Militär- und Sicherheitsfragen. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Errichtung der Berliner Mauer und an der Installierung des "Schießbefehls", also der Anweisung, mit scharfer Munition auf Flüchtige zu schießen, beteiligt. [5]
In den folgenden Jahren erreichte Erich Honecker mit der Hilfe Leonid Breschnews mehr Macht als man in Deutschland für möglich gehalten hätte.
Honecker ging mit äußerster Härte gegen Kritiker, darunter zahlreiche Kulturschaffende, die er als "Staatsfeinde" bezeichnete vor. Das Ministerium für Staatssicherheit (kurz "Stasi") mit seinen offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern leistete dafür die nötigen Zuarbeiten.
Mit der Breschnew-Doktrin und dem beginnenden Zerfall der DDR begann auch der Stern Honeckers, der zunehmend von gesundheitlichen Problemen geplagt wurde, zu sinken. Der immer größer werdende Druck der Bevölkerung, die wirtschaftlichen Verwerfungen aber auch der schlechte Gesundheitszustand Honeckers führten im Oktober 1989 zu dessen Abwahl als Generalsekretär der SED und Staatsratvorsitzenden.
Im November 1989 flüchtete Honecker in die damalige UDSSR, um der Strafverfolgung wegen Korruption, Amtsmissbrauch und Bekräftigung des Schießbefehls zu entkommen. Die Umbrüche in der UdSSR führten dazu, dass er auch dort nicht mehr willkommen war und sich in die Botschaft CHiles flüchtete. Im Dezember 1992 wurde er schließlich nach Deutschland ausgewiesen und bei seiner Ankunft in Berlin verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Anfang 1993 wurde der Haftbefehl gegen Erich Honecker aufgehoben, da sein schlechter Gesundheitszustand keine ordnungsgemäße Prozessführung erwarten ließ. Erich Honecker emigrierte nach Chile, wo er zusammen mit seiner Frau Margot noch die letzten Monate seines ereignisreichen Lebens verbrachte. Am 29.5.1994 erlag Honecker seinem Krebsleiden. Seine Asche wurde in Santiago de Chile beigesetzt. [6]
Quellenangaben:
[1] Der Brockhaus, 9. Auflage, Leipzig, 2000, S.392
[2] Sabrow, Martin: Der führende Repräsentant, Zeithistorische Forschungen, Heft 1/2013, S.69
[3] Reichwein, Marc: Das unbekannte Leben des jungen Erich Honecker, Die Welt, Online: 13.9.2019)
[4] Honecker, Erich: Aus meinem Leben, Dietz, 1981, S.9
[5] Sabrow, Martin: Der unterschätzte Diktator, Der Spiegel, Nr. 34/2012, S.46-48
[6] Pötzl, Norbert F.: Der Passagier auf Platz 13A, Der Spiegel, Online: 13.9.2918)