Friedrich Wilhelm Reinhold Pieck (3. Januar 1876 – 7. September 1960) war ein deutscher Politiker und Kommunist. 1949 wurde er der erste Präsident der Deutschen Demokratischen Republik – ein Amt, das nach seinem Tod aufgehoben wurde. Sein Nachfolger als Staatsoberhaupt wurde Walter Ulbricht, der als Vorsitzender des Staatsrates fungierte. [1]
Herkunft und frühe Jahre
Wilhelm Pieck wurde in Guben, dem heutigen polnischen Gubin, als Sohn von Friedrich und Auguste Pieck geboren. Sein Vater Friedrich war Kutscher. Nach der Grundschule absolvierte der junge Wilhelm eine vierjährige Tischlerlehre. Als Zimmermann trat Pieck 1894 dem Holzarbeiterverband bei, der ihn im folgenden Jahr zum Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) führte. Ab 1896 arbeitete Pieck in Bremen als Tischler. 1899 wurde er Vorsitzender des Parteistadtbezirks und 1906 hauptamtlicher Sekretär der SPD. 1914 zog er nach Berlin-Steglitz.
Im Mai 1915 wurde er bei der großen Frauendemonstration vor dem Reichstag festgenommen und bis Oktober in "Schutzhaft" gehalten. Obwohl die Mehrheit der SPD die deutsche Regierung im Ersten Weltkrieg unterstützte, war Pieck Mitglied des linken Flügels der Partei, der sich gegen den Krieg positionierte. Dies führte zu Piecks erneuter Inhaftierung in einem Militärgefängnis. [2]
Nach seiner Freilassung lebte Pieck kurz im Exil in Amsterdam. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Jahr 1918 trat Pieck der neu gegründeten KPD bei. Am 16. Januar 1919 wurde er zusammen mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bei einem Treffen im Berliner Eden Hotel festgenommen. Liebknecht und Luxemburg wurden im Folgenden von einer Einheit des Freikorps getötet, während Pieck die Flucht gelang.
1922 wurde er Gründungsmitglied der Internationalen Roten Hilfe, eine Hilfsorganisation in Verbindung mit der kommunistischen Internationale. Im Mai 1925 wurde er deren Vorsitzender. [3]
NS-Jahre und Moskauer Exil
Anfang Mai 1933 reiste Pieck zunächst nach Paris und dann nach Moskau. In Moskau diente Pieck der Kommunistischen Partei in verschiedenen Funktionen. Von 1935 bis 1943 war er Sekretär der Kommunistischen Internationale. 1943 gehörte Pieck zu den Gründern des Nationalen Komitees für ein freies Deutschland, das die Zukunft Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg plante.
Am 22. Juni 1941 befand sich Pieck mit seiner Familie in ihrem Landhaus am Stadtrand von Moskau. Um 6 Uhr morgens weckte Pieck seine Kinder und sagte: "Kinder, steht auf, es wurde im Radio angekündigt, dass der Krieg vorbei ist. Hitler ist in die Sowjetunion eingedrungen, aber das wird das Ende sein."
Heimat der sowjetischen Besatzungszone
Nach Kriegsende 1945 kehrte Pieck mit der siegreichen Roten Armee nach Deutschland zurück. Ein Jahr später half er bei der Fusion der östlichen Zweige der KPD und der SPD zur Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Er wurde neben dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Otto Grotewohl zum Ko-Vorsitzenden der fusionierten Partei gewählt. [4]
Präsident der DDR
Im Oktober 1949 wurde die sowjetische Besatzungszone zur von der Sowjetunion gestützten Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Wilhelm Pieck wurde zum Präsidenten des neuen Landes gewählt. Bis zu seinem Tod 1960 war er der erste (und letzte) Präsident der DDR. 1950 verlor er den Vorsitz der regierenden SED, als Walter Ulbricht der erste Sekretär der Partei wurde. Aufgrund des Vertrauens von Joseph Stalin in ihn behielt er jedoch seine anderen Posten. [5]
Letzte Jahre
Am 13. Juli 1953 erlitt Pieck einen zweiten Schlaganfall. Er hatte auch eine fortgeschrittene Leberzirrhose und Bauchwassersucht. Im August 1960 übersiedelte er in eine Sommerresidenz am Streganzer See in Brandenburg.
Familie
Wilhelm Pieck war verheiratet mit Christine Häfker, einer Textilarbeiterin, die er in Zeit in Bremen kennenlernte. Sie heirateten am 28. Mai 1898. Im November 1936 erkrankte seine Frau zum dritten Mal an Lungenentzündung und starb am 1. Dezember desselben Jahres.
Piecks Tochter Elly Winter (1898-1987) bekleidete verschiedene Posten in der SED und der DDR-Regierung. Ihr Sohn Arthur Pieck (1899-1970) war von 1955-1965 Chef der ostdeutschen Nationalfluggesellschaft Interflug, nachdem er verschiedene administrative Funktionen in der DDR inne hatte, beispielsweise bei der Deutschen Wirtschaftskommission. Das jüngste Kind, Eleonore Staimer (1906-1998), war Parteibeamtin und zeitweise Diplomatin auf niedrigem Niveau. [6]
Ehrungen
Pieck erhielt die Ehrenbürgerschaft von Berlin, Hoyerswerda und Plauen. Piecks Geburtsstadt Guben trug von 1961 bis 1990 den Namenszusatz Wilhelm-Pieck-Stadt. Sein Portrait war auf einer Dauerbriefmarkenserie und einer Gedenkmünze der DDR abgebildet. In der DDR wurden ferner zahlreiche Straßen, Plätze und Schulen nach ihm benannt. Viele dieser Benennungen wurden Anfang der 1990er Jahre rückgängig gemacht.
Quellenangaben:
[1] Voßke, Heinz: Wilhelm Pieck. Biographischer Abriß, 2.Auflage, Dietz, Berlin, 1975, S.19 ff.
[2] Voßke, Heinz: Wilhelm Pieck. Biographischer Abriß, 2.Auflage, Dietz, Berlin, 1975, S.48 ff.
[3] Priestand, David: Red Flag – A History of Communism, 1. Auflage, Grove Press, New York, 2009, S.164 ff.
[4] Weber, Hermann: Wilhelm Friedrich Reinhold Pieck. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, S.421 ff.
[5] Priestland, David: Red Flag – A History of Communism, 1. Auflage, Grove Press, New York, 2009, S.278 ff.
[6] Voßke, Heinz: Wilhelm Pieck. Biographischer Abriß, 2.Auflage, Dietz, Berlin, 1975, S.195 ff.