George Murray Levick (1876 – 1956) war ein britischer Antarktisforscher, Chirurg und Gründer der Public Schools Exploring Society (heute British Exploring Society).
Herkunft und frühe Jahre
Levick wurde in Newcastle als Sohn des Bauingenieurs George Levick und Jeannie Sowerby geboren. Er studierte Medizin am St. Bartholomew Hospital und begann 1902 bei der Royal Navy als Kraft- und Regenerationstrainer.
Terra Nova-Expedition
Levick wurde beurlaubt, um Robert Falcon Scott auf dessen Terra Nova-Expedition zu begleiten. Levick war dabei Teil der sog. Northern Party und verbrachte den antarktischen Sommer 1911-1912 in Cape Adare inmitten einer Adélie-Pinguin-Kolonie. [1]
So entstand die erste und bis heute umfassendste Studie über die Cape Adare-Kolonie, der größten Adélie-Pinguinkolonie der Welt, und Levick war der einzige, der dort einen ganzen Brutzyklus verfolgte. Seine Beobachtungen über das Paarungs- und Aufzuchtverhalten dieser Vögel sind in seinem Buch Antarctic Penguins (Antarktische Pinguine) festgehalten. Seine Aufzeichnungen über die sexuellen Gewohnheiten der Pinguine wurden zu dieser Zeit als zu unanständig für eine Veröffentlichung angesehen. Sie wurden erst hundert Jahre später wiederentdeckt und im Jahre 2012 veröffentlicht. Da das Verhalten dieser Spezies Bezüge zum Klima aufweist, sind Levicks Aufzeichnungen ein wichtiger Beitrag zur Erforschung des Klimawandels. [2]
Inexpressible Island
George Levick und die anderen fünf Expeditionsteilnehmer waren 1912 dazu gezwungen, auf der Inexpressible Island in einer kleinen Eishöhle zu überwintern. Das Terra Nova-Schiff konnte wegen Packeis nicht zu ihnen vordringen. Die Insel besteht fast vollständig aus nichts als Steinen. Der Name der Insel geht auf den Ausspruch Levicks zurück: "Der Weg zur Hölle mag mit guten Absichten gepflastert sein, aber wahrscheinlich ist es, dass die Hölle selbst nach dem Vorbild dieser unsagbaren (engl. inexpressible) Insel gepflastert ist." [3]
Erster Weltkrieg
Nach seiner Rückkehr diente Levick im Ersten Weltkrieg in der Grand Fleet an Bord der HMS Bacchante. Für seine Verdienste um die Antarktisexpedition wurde er 1915 zum Chirurgen der Marine befördert.
Er heiratete am 16. November 1918 Edith Audrey Mayson Beeton.
Nach seinem Ausscheiden aus der Royal Navy leistete er Pionierarbeit bei der Ausbildung von Blinden in Physiotherapie.
Public Schools Exploring Society
1932 gründete Levick die Public Schools Exploring Society und bekleidete bis zu seinem Tod im Juni 1956 das Amt des Präsidenten.
Die British Exploring Society ist bis heute eine Wohltätigkeitsorganisation, die jungen Menschen eine Erfahrung der Selbstfindung in der Wildnis bieten soll. 16- bis 25-jährige können sich für eine Expedition bewerben und werden durch ein Interview ausgewählt. Wer nach der Unternehmung vom Expeditionsleiter empfohlen wird, kann in die Gesellschaft aufgenommen werden.
Zweiter Weltkrieg
1940 kehrte Levick im Alter von 64 Jahren zur Royal Navy zurück, um eine Stelle als Spezialist für Guerillakriegsführung im Commando Special Training Center in Lochailort an der Westküste Schottlands einzunehmen. Er unterrichtete Fitness-, Ernährungs- und Überlebenstechniken, von denen viele 1944 in seinem Trainingshandbuch "Hardening of Commando Troops for Warfare" veröffentlicht wurden. [4]
Quellenangaben:
[1] Hooper, Meredith: The Longest Winter – Scott's Other Heroes. 1.Auflage, Counterpoint, London, 2010, S.7 ff.
[2] Davis, Lloyd Spencer, A Polar Affair – Antarctica's Forgotten Hero and the Secret Love Lives of Penguins, 1.Auflage, Pegasus, New York, 2019, S.177 ff.
[3] Hooper, Meredith: The Longest Winter – Scott's Other Heroes. 1.Auflage, Counterpoint, London, 2010, S.211 ff.
[4] Davis, Lloyd Spencer, A Polar Affair – Antarctica's Forgotten Hero and the Secret Love Lives of Penguins, 1.Auflage, Pegasus, New York, 2019, S.296 ff.