"Der Alte" [3] der Gorch Fock: Kapitän zur See Peter Lohmeyer
Peter Lohmeyer wurde am 2. Januar 1911 auf Sansibar geboren. Bereits in frühen Jahren verließ sein Vater den jungen Peter und seine Mutter, um die Vertretung der D.O.A.G. (Deutsche Ost-Afrika Gesellschaft) in Daressalam zu übernehmen. Dennoch erlebte der junge Lohmeyer eine wohlbehütete Kindheit. Bei seiner Erziehung wurde seine Mutter von Kindermädchen und dem Diener Matschano unterstützt, zu denen der Junge ein inniges Verhältnis aufbaute. [2]
Als der Krieg ausbrach, wurde die Heimat der Familie Lohmeyer evakuiert und Peters Vater für vier Jahre in Indien inhaftiert. Begleitet von Matschano wanderten der junge Lohmeyer und seine Mutter in den Urwald aus, wo Peter Unterricht von seiner Mutter erhielt. 1920 reiste er mit seiner Mutter nach Deutschland, wo es zum Wiedersehen mit seinem Vater kam. In Wandsbeck bei Hamburg hatte Peter erstmals die Möglichkeit eine staatliche Schule zu besuchen. [1]
Er setzte seine Schulbildung später in Bielefeld fort, wo Peters Vater mit dessen Bruder am Wiederaufbau der Leinenfabrik ihres Vaters arbeitete. Obwohl er stets gute Noten geschrieben hatte, fasste der junge Lohmeyer rasch den Beschluss, zur See zu fahren. Er meldete sich 1934, getrieben von seiner Bewunderung für Graf Luckner, dem damaligen Kommandanten des Hilfskreuzers SMS Seeadler, zur Seefahrtschule Elsfleth an. Dort sollte seine Passion für die Schifffahrt ihren Anfang nehmen. [2]
Nach seiner Grundausbildung am Liegeplatz und der ersten Reise in die Ostsee, folgten Fahrten nach Kap Hoorn und Rio [3], bevor er in die Dampferfahrt einstieg. 1933 absolvierte Peter Lohmeyer das Steuermannsexamen (A5) an der Seefahrtschule in Bremen, an das er nach nur zwei Monaten das Funkerpatent der Klasse 2 anschloss.
Auf Anraten des Direktors Jonny Preuss bewarb sich Lohmeyer kurz darauf bei der Marine. Seine guten Zeugnisse sorgten dafür, dass er am 1. April 1934 einberufen wurde und er die Grundausbildung angehen konnte. [1]
Nachdem er das Flugzeugführerexamen abgelegt hatte und er während des spanischen Bürgerkrieges bei der Staffel in Mallorca engagiert worden war, kam er 1938 wieder zur Marine zurück. [2]
Seine Karriere im Dienst der Schifffahrt wurde durch den zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Ein Wasserbombenangriff zertrümmerte sein U-Boot, ein Modell des Typs U 651 im Nordatlantik und es gelang dem jungen Kommandanten nur schwer, die gesamte Crew lebend aus dem Wrack zu bekommen. Nach diesem unheilvollen Ereignis folgten sechs Jahre in Kriegsgefangenschaft, nach denen sich Lohmeyer eine neue Existenz aufbauen musste. [4]
Zurück in Deutschland verdiente er den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und seine drei Kinder zunächst als Tankmesser im Hamburger Hafen und ab 1949 als Runway-Controller auf dem Flughafen in Hamburg-Fuhlsbüttel. Da diese Tätigkeiten ihm keine Freude bereiteten nahm er 1951 eine Anstellung als Experte für Flugsicherung bei der Bundeswehr an. [2]
Lohmeyers Geschichte auf der Gorch Fock begann im November 1963. Bereits nach zwei Jahren übernahm er am 23. September 1965 von Kapitän Engel das Kommando über das Segelschulschiff, "das sich in jeder Beziehung in tadellosem Zustand befand". Er beschreibt die Crew als "eingefahren" und "aufeinander eingespielt" [3] und fühlt sich sofort willkommen. Unter seinem Kommando segelte die Crew der Gorch Fock das erste Mal auf die Südhalbkugel, bevor er das Ruder 1969 aufgrund seiner bevorstehenden Pensionierung an Kapitän V. Witzendorff übergab. [5]
Bevor er seine Karriere enden ließ, führte ihn ein Auftrag noch einmal zurück in seine Heimat Sansibar, wo er Gutachten über die von Deutschland geschenkten Polizeiboote erstellen sollte. [2] Seine Passion für die Seefahrt lebte er auch nach seiner Pensionierung noch aus. Nach 1969 war er viereinhalb Jahre als Kapitän dar Passagierdampfer "Hanseatic" und "Hamburg" tätig und unterstützte den Verein Clipper DJS als ehrenamtlicher Kapitän durch die Führung der Schiffe auf zahlreichen Törns. [1]
Am 28. Mai 2002 verstarb der 91-jährige Peter Lohmeyer in Schleswig. Er blieb der damaligen Besatzung der Gorch Fock als erfahrener Kapitän mit leidenschaftlicher Verehrung für die See in Erinnerung, der trotz aller Widrigkeiten stets um das Wohlergehen seiner Crew bemüht war. Seine lebenslangen Leitmaxime "Gerechtigkeit, Kameradschaftlichkeit und Teamwork" prägten das Miteinander in der Crew und macthen "den Alten" zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Gorch Fock. [3]
Quellenangaben:
[1] Stackelberg, Frhr. von Hans: Im Kielwasser der ' Gorch Fock'.: Ein Kommandant erinnert sich. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, 1995. S.327
[2] Lohmeyer, Peter: Kapitän Peter Lohmeyer – mein Leben. Homepage Club TS Hamburg. URL: http://www.club-ts-hamburg.eu/seiten/history/ts_hamburg.htm#Kapit%C3%A4ne
[3] Claves, Reinhard: Im Andenken an 'den Alten'. In: Gorch Fock Magazin 07. Dirkes, Hermann (Hg.). Bad Gandersheim. 2014. S.33
[4] Röll, Hans-Joachim; Besler, Michael: U 79: Das Kriegstagebuch – die Geschichte eines deutschen Unterseebootes im II. Weltkrieg und seiner Patenstadt. Himmelstadt. 2006. S.36
[5] Mittler, E.S.: Marine-Rundschau. Band 70. Arbeitskreis für Wehrforschung (Hg.) E.S. Mittler & Sohn- Verlag. Frankfurt. 1973. S.100