Shepard, Matthew

bekanntes Mordopfer (Hate Crime)

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Shepard, Matthew
Kurz & Kompakt
Raum-Nr.
B1G1-R001-S001-M002-0000
Index
000001
  • Geburtstag:
    01. Dezember 1976
  • Geburtsort:
    Casper, WY
  • Geburtsland:
    Vereinigte Staaten
  • Sterbedatum:
    12. Oktober 1998
  • Sterbeort:
    Fort Collins, CO
  • Sterbeland:
    Vereinigte Staaten

Matthew Wayne Shepard ist eines der bekanntestes Mordopfer der jüngeren amerikanischen Geschichte. Sein Tod war der Anlass für eine umfangreiche Gesetzgebung im Bereich Hate Crimes, die seitdem auch Verbrechen umfassen, die aufgrund der sexuellen Orientierung des Opfers begangen werden.

Matthew Shepard – Opfer eines Hate Crimes

Der homosexuelle Student Matthew Shepard wurde am 1. Dezember 1976 als ältestes von zwei Kindern in Casper, Wyoming geboren. Nach dem Abschluss der Highschool besuchte er zunächst Colleges in North Carolina, Wyoming und Colorado, bevor er schließlich an der University of Wyoming in Laramie Politik und Sprachen studierte. Schon seit seiner Kindheit zeichnete sich Matthew Shephard durch ein starkes Gerechtigkeitsgefühl aus, weshalb er sich unter anderem an der Universität für Umweltschutz einsetzte. Bei seinen Mitstudenten war der freundliche und offene junge Mann sehr beliebt. Allerdings litt er gelegentlich unter Depressionen, seitdem er bei einem Auslandsaufenthalt vergewaltigt worden war.

Am Abend des 6. Oktobers 1998 wurde Matthew Shepard von zwei jungen Männern (McKinney und Henderson), die er in einer Bar getroffen hatte, mit dem Auto mitgenommen. Unterwegs wurde er in einem abgelegenen ländlichen Gebiet brutal mit dem Griff einer Pistole zusammengeschlagen und festgebunden an einem Zaun seinem Schicksal überlassen. Als er etwa achtzehn Stunden später von einem zufällig vorbeikommenden Fahrradfahrer entdeckt wurde, lebte Matthew Shepard noch, verstarb aber 6 Tage später im Krankenhaus ohne das Bewusstsein je wiedererlangt zu haben. [1]

Bereits kurz nach dem Auffinden Shephards wurden die beiden Täter verhaftet und angeklagt. Während des Prozesses machten sie geltend, dass sie ihr Opfer lediglich ausrauben wollten und in Panik geraten seien, weil er sexuelle Annäherungsversuche unternommen habe. Beide bekannten sich aber schließlich des Mordes schuldig, um der Todesstrafe zu entgehen. Sie wurden schließlich zu zweimal lebenslänglich ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. [2]

Folgen für die Gesetzgebung

Das ungewöhnlich grausame Verbrechen und der nachfolgende Strafprozess, der von homosexuellenfeindlichen Protesten der Mitglieder der Westboro Baptist Church begleitet wurde, sorgten für heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit und den Medien. Dies führte nicht nur dazu, dass die Eltern von Matthew Shepard eine Stiftung im Namen ihres Sohnes gründeten, um sich für LGBTQ-Rechte einzusetzen, sondern hatte auch Auswirkungen auf den Gesetzgeber. Bis zu diesem Zeitpunkt galten weder in dem Bundesstaat Wyoming noch auf Bundesebene Straftaten, die aus homophoben Motiven begangen wurden, als Hate Crimes. Bereits Bill Clinton versuchte deshalb, eine Gesetzesänderung in Gang zu bringen, die neben den bisherigen Opfergruppen auch Homosexuelle und Menschen mit Behinderungen umfassen sollten. Dies scheiterte allerdings zunächst. Erst im Jahr 2007 konnte der Gesetzgebungsprozess wieder aufgenommen werden. Schließlich unterzeichnete Präsident Obama im Oktober 2009 den Matthew Shepard Act, der den Opfern von Hate Crimes weitreichenden Schutz gewährt. [3]

Hate Crimes seit dem Erlass des Matthew Shepard Act

Eines der ersten Verbrechen, das unter der neuen Gesetzgebung verhandelt wurde, betraf den Fall des 29-jährigen Kevin Pennington, der von zwei Männern entführt, geschlagen, getreten und mit dem Tod bedroht wurde. Obwohl das Opfer von homosexuellen Schmähungen berichtete, folgte die Jury der Argumentation der Verteidigung, dass der Hintergrund der Straftat Drogen gewesen seien. Deshalb wurden die beiden Männer wegen Entführung und Körperverletzung, nicht aber wegen eines Hate Crimes verurteilt. [4]

Im Jahr 2016 kam der Matthew Shepard Act erstmals im Zusammenhang mit einer Gewalttat gegen eine Transgender-Person zur Anwendung. Der 29-jährige Täter bekannte sich in dem Prozess schuldig, im Vorjahr Mercedes Williamson getötet zu haben, weil sie transgender war. Er hatte mit der 17-jährigen eine Beziehung geführt und dabei von Anfang an von ihrer Transgender-Identität gewusst, diese Beziehung aber geheimgehalten, weil in der Gang, der er angehörte, starke homophobe Vorstellungen herrschten. Als ein Mitglied seiner Gang herausfand, dass er mit Williamson liiert war, verabredete er sich mit ihr in seinem Auto und stach zunächst mit einem Messer auf sie ein. Als sie zu fliehen versuchte, verfolgte er sie und erschlug sie mit einem Hammer. [5]

Großes Aufsehen erregte auch das Attentat von Orlando in Florida, bei dem im Juni 2016 insgesamt 49 Menschen ums Leben kamen und mehr als 50 Personen verletzt wurden. Damit handelt es sich um eine der schwerwiegendsten homosexuellenfeindlichen Gewalttaten der Neuzeit und um einen der schlimmsten Anschläge überhaupt, der in den USA seit dem 11. September 2001 begangen wurden. Das Attentat fand in einem Nachtclub statt, der insbesondere bei LGBT beliebt und zum Tatzeitpunkt sehr gut besucht war. Bei dem Täter handelte es sich um den Sohn eines afghanischen Immigranten, wobei es Hinweise gegeben haben soll, dass er sich für den Islamischen Staat interessiert und sich bei der Tat auf diesen bezogen habe. Allerdings sagte sein Vater gegenüber Medien, dass der Täter nicht religiös gewesen sei. Außerdem habe er selbst den Club häufig besucht und eine bei Homosexuellen beliebte Dating-App genutzt. Auch seine Ex-Frau und frühere Bekannte berichteten, dass er selbst homosexuell gewesen sei. Deshalb überwiegt der Verdacht, dass es sich um ein Hate Crime handelt, gegenüber der Zuschreibung von islamistischen Motiven. Der Täter selbst konnte dazu nicht mehr befragt werden, da er in der Tatnacht von der Polizei erschossen wurde. [6]

Anstieg von Hate Crimes in den USA

Eine im Jahr 2018 veröffentlichte Studie belegt, dass in 30 ausgewählten amerikanischen Großstädten die Zahl der registrierten Hate Crimes das fünfte Jahr in Folge deutlich angestiegen ist. Die am häufigsten betroffenen Minderheiten sind Schwarze, Juden und LGBTQ-Personen. Es wird dabei vermutet, dass angesichts der derzeitigen politischen Lage ein weiterer Anstieg von Verbrechen durch rechtsextreme weiße Gewalttäter zu erwarten ist. [7]

https://www.youtube.com/watch?v=xkQysLewF4w

Quellenangaben:

[1] The Crucifixion of Matthew Shepard. Vanity Fair. 8. Januar 2014
[2] Killer of Gay Student Is Spared Death Penalty. Los Angeles Times. 5. November 1999
[3] Obama Signs Hate Crime Bill. New York Times. 28. Oktober 2009.
[4] 2 Men Aquitted of Hate Crime Charges. USA Today. 24. Oktober 2012. Hate Crime Trial. Lexington Herald Leader. 17. Oktober 2012.
[5] I Killed Mercedes, And She Is in Hell Now. BBC. 17. Januar 2018.
[6] Orlando gunman had been seen on gay dating apps, at Pulse nightclub before shooting. Washington Post. 14. Juni 2016
[7] Hate crime rising in 30 US cities as overall crime rates decline, report finds. The Guardian. 30. Juli 2019