Scott, Robert Falcon

Britischer Marineoffizier und Polarforscher

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Scott, Robert Falcon
Kurz & Kompakt
Raum-Nr.
B1G1-G001-N001-E001-A006
Index
000003
  • Geburtstag:
    06. Juni 1868
  • Geburtsort:
    Devonport
  • Geburtsland:
    England
  • Sterbedatum:
    29. März 1912
  • Sterbeort:
    Ross-Schelfeis
  • Sterbeland:
    Antarktis

Robert Falcon Scott (6. Juni 1868 – 29. März 1912) war ein britischen Polarforscher und Offizier der Royal Navy. Er war ein Pionier der Erkundung der Antarktis, seinem Arbeitsgebiet der letzten zwölf Jahre seines Lebens. In dieser Zeit leitete er zwei Expeditionen in die Antarktis: die Discovery-Expedition von 1901-1904 und die Terra Nova-Expedition von 1910-1913. [1]

Anfänge

Scott wurde am 6. Juni 1868 als drittes von sechs Kindern von John Edward, einem Brauer und Richter, und Hannah (geb. Cuming) Scott aus Stoke Damerel geboren. Die Familie hatte eine Militärtradition, Scotts Großvater und vier Onkel hatten in der Armee oder der Marine gedient. Der Wohlstand John Edwards stammte aus dem Besitz einer kleinen Brauerei, die er von seinem Vater geerbt und anschließend verkauft hatte.

Gemäß der Familientradition waren Scott und sein jüngerer Bruder Archie für Karrieren im Militärdienst prädestiniert. Scott verbrachte vier Jahre an einer örtlichen Tagesschule, bevor er an die Stubbington House School in Hampshire geschickt wurde, die Kandidaten auf die Aufnahmeprüfungen für das Marineschulschiff HMS Britannia in Dartmouth vorbereitete. Nachdem er diese Prüfungen bestanden hatte, begann er 1881 seine Marinekarriere als 13-jähriger Kadett. [2]

Discovery-Expedition 1901-1904

Vor seiner Ernennung zum Leiter der Discovery-Expedition hatte Scott die Karriere eines Marineoffiziers in der Royal Navy verfolgt. 1899 hatte er eine zufällige Begegnung mit Sir Clements Markham, dem Präsidenten der Royal Geographical Society, und erfuhr so von einer geplanten Antarktisexpedition, für deren Leitung er sich meldete.

Die Discovery Expedition, offiziell als British National Antarctic Expedition bekannt, war die erste offizielle britische Erkundung der Antarktisregionen seit der Reise von James Clark Ross sechzig Jahre zuvor (1839-1843).

Die wissenschaftlichen Ergebnisse umfassten umfangreiche Erkenntnisse in den Bereichen Biologie, Zoologie, Geologie, Meteorologie und Magnetismus. Bei der Expedition wurden die schneefreien antarktischen Täler entdeckt, in denen sich der längste Fluss der Antarktis befindet. Weitere Erfolge waren die Entdeckungen der Kaiserpinguinkolonie Cape Crozier, dem König Edward VII.-Land, und des Polarplateaus, auf dem sich der Südpol befindet. Scott stellte einen neuen Rekord der Begehung der Antarktis auf, indem er 82° südlicher Breite erreichte.

Als Wegbereiter für spätere Unternehmungen war die Discovery Expedition ein Meilenstein in der britischen Antarktiserkundungsgeschichte. [3]

Terra Nova-Expedition 1910-1913

Bei der zweiten Expedition führte Scott eine fünfköpfige Gruppe an, die am 17. Januar 1912 den Südpol erreichte. Dort stellten sie fest, dass die konkurrierende Südpolexpedition des norwegischen Polarforschers Roald Amundsens ihnen einige Wochen zuvorgekommen war.

Scott nahm Ponys, Motorschlitten und gewöhnliche Schlitten mit, die er und seine Männer zogen. Er dachte, dass die Zahl getöteter Tiere so gering wie möglich gehalten werden sollte und betrachtete den Ansatz seines Rivalen Roald Amundsen als grausam. Amundsen tötete Hund für Hund, um die Expeditionsteilnehmer und den Rest der Hunde zu ernähren. Die Ponys halfen dabei, einen Teil des Weges zurückzulegen, aber einige von ihnen waren ungeeignet, so dass die Expeditionsteilnehmer bei der Rückreise länger als geplant selber die Schlitten ziehen mussten und dadurch geschwächt wurden. Die motorisierten Schlitten, die zu Beginn gut funktionierten, froren schließlich ein. Die Hunde, von denen es 36 gab, mussten am Pol zurückgelassen werden.

Auf der Rückreise starben Scott und seine vier Kameraden schließlich an Erschöpfung, Hunger und extremer Kälte. Ein geplantes Treffen mit unterstützenden Schlittenhundeteams aus dem Basislager schlug trotz Scotts schriftlicher Anweisungen fehl. In einer Entfernung von 240 km von ihrem Basislager und 19 km vom nächsten Depot starben Scott und seine Gefährten. Das tragische Schicksal seiner Expedition sorgte weltweit für Aufsehen. [4]

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Expedition standen lange im Schatten der Tragödie. Die darüber hinaus zwölf beteiligten Wissenschaftler – das größte wissenschaftliche Team der Antarktis seiner Zeit – machten jedoch bemerkenswerte Entdeckungen in den Bereichen Zoologie, Botanik, Geologie, Glaziologie und Meteorologie. Die Terra Nova-Expedition kehrte mit über 2100 Pflanzen, Tieren und Fossilien nach England zurück, von denen über 400 für die Wissenschaft neu waren. Entdeckungen der fossilen Pflanze Glossopteris, die auch in Australien, Neuseeland, Afrika und Indien vorkommt, stützten nicht nur die These, dass das Klima der Antarktis einst warm für Vegetation war, sondern auch, dass die Antarktis selbst mit den anderen Landmassen verbunden war. Vor der Expedition waren Gletscher nur in Europa untersucht worden. Die gesammelten meteorologischen Daten ergaben die längste ungebrochene Wetteraufzeichnung im frühen 20. Jahrhundert und dienen auch heute der Einschätzungen des Klimawandels. [4]

Reputation

Nach der Nachricht von seinem Tod wurde Scott ein gefeierter Held – ein Status, der sich in Denkmälern widerspiegelte, die in ganz Großbritannien errichtet wurden. Der Verlust von Scott und seiner Mitstreiter überschattete sogar Amundsens Leistung, der Erste am Südpol gewesen zu sein. Das Bild von Scott als tragischem Helden blieb viele Jahre lang unbestritten, denn obwohl es Uneinigkeit im Umfeld der Expedition gab, einschließlich der Angehörigen der Verstorbenen, wurde diese Disharmonie nicht öffentlich.

Seit den 1970er Jahren warfen jedoch umfassende Auswertungen von historischen Aufzeichnungen Fragen nach Scotts Kompetenz und seinem Charakter auf. Erkenntnisse in späteren Jahren ließen ihn wiederum in besserem Licht erscheinen. Dazu gehörte die Wiederentdeckung von Scotts schriftlichen Befehlen vom Oktober 1911, in denen er die Hundeteams instruiert hatte, ihm auf der Rückreise entgegenzukommen und zu unterstützen. Diese Instruktionen wurden nicht ausgeführt. Untersuchungen bestätigten ferner einen außergewöhnlichen Temperaturabfall unter -40°C im März 1912 auf Scotts Rückreise als Hauptursache für das Scheitern der Expedition. [6]

 

Quellenangaben:

[1] Huxley, Elspeth: Scott of the Antarctic, 1.Auflage, Weidenfeld & Nicolson, London, 1977, S.13 ff.
[2] Huxley, Elspeth: Scott of the Antarctic, 1.Auflage, Weidenfeld & Nicolson, London, 1977, S.16 ff.
[3] Fiennes, Ranulph: Captain Scott, 1.Auflage, Hodder & Stoughton Ltd., London, 2003, S.131 ff.
[4] Fiennes, Ranulph: Captain Scott, 1.Auflage, Hodder & Stoughton Ltd., London, 2003, S.276 ff.
[5] Fiennes, Ranulph: Captain Scott, 1.Auflage, Hodder & Stoughton Ltd., London, 2003, S.359 ff.
[6] Crane, David: Scott of the Antarctic: A Life of Courage and Tragedy in the Extreme South, 1.Auflage, HarperCollins, London, 2005, S.424 ff.

 

 

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