Paquet, Alfons

dt. Journalist, Schriftsteller und Expeditionsreisender

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Paquet, Alfons
Kurz & Kompakt
Raum-Nr.
B1G1-G001-N001-E001-A003
Index
000001
  • Geburtstag:
    26. Januar 1881
  • Geburtsort:
    Wiesbaden
  • Geburtsland:
    Deutschland
  • Sterbedatum:
    08. Februar 1944
  • Sterbeort:
    Frankfurt a.M.
  • Sterbeland:
    Deutschland

Alfons Paquet war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Expeditionsreisender. Paquet erblickte am 26. Januar 1881 in Wiesbaden das Licht der Welt und starb kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Februar 1944 im Alter von 63 Jahren in seinem Haus in Frankfurt am Main während eines Bombenangriffs.

Jugend und Studienjahre (1881 – 1914)

Alfons Paquet war der Sohn eines baptistischen Handschuhmachers. Der Weg zum Abitur war ihm verwehrt. Er wurde vielmehr dazu gedrängt, eine zünftige Handwerkslehre zum Handschuhmacher abzuschließen. Danach hängte er noch eine kaufmännische Ausbildung an, die er in Mainz absolvierte. [1]

Bereits im jungen Alter von 19 Jahren gewann er seinen ersten Preis für eine seiner Erzählungen. Er entschloss sich, nach Berlin zu ziehen und dort eine Karriere als Journalist zu beginnen. Schon ein Jahr nach seinem Umzug erschien sein erster Erzählband. Diesem folgten weitere Werke wie ein Gedichtebuch sowie eine Liedersammlung. [1]

Der Dichter wurde Redakteur der Kulturzeitschrift "Die Rheinlande", die in Düsseldorf erschien. Dadurch und durch weitere unterschiedliche Tätigkeiten finanzierte er sich sein Studium, das er im Jahr 1902 begann. Seitdem studierte er Jura, Volkswirtschaft, Philosophie und Geographie in Heidelberg, Jena und München. Im Jahr 1908 promovierte er zum Doktor der Staatswissenschaft. Das Thema seiner Dissertation war "Das Ausstellungsproblem in der Volkswirtschaft". Noch in diesem Jahr begann er seine Tätigkeit am "Wilhelm-Merton-Institut" in Frankfurt. Er arbeitete ferner von 1911 bis 1914 in den "Deutschen Werkstätten" in Hellerau. [1]

Reisen in die Ferne (1903 – 1910)

Wenn es seine Zeit erlaubte, reiste Paquet um die Welt. Seine erste Reise trat er im Jahr 1903 an, als er mit einer neu eröffneten Bahnlinie durch Sibirien fuhr. Im Jahr 1904 reiste er nach St. Louis, wo er die ersten Kontakte zu industriellen Unternehmern knüpfte. Dort schrieb er seinen ersten Artikel für die Frankfurter Zeitung (FZ). Ein Jahr später führte ihn sein Weg nach Lüttich zur Weltausstellung. Die Fahrt dorthin trat er mit der 'Bagdadbahn' an. Dabei musste er Syrien sowie den Libanon durchqueren. [1]

1908 unternahm der Schriftsteller eine mehrmonatige Fahrt durch Sibirien sowie durch die Mongolei nach Peking. Nebenbei schrieb er Reiseberichte und beschrieb geografische Route über Asien sowie Sibirien. Allerdings war es nicht immer ruhig auf seinen Reisen. Bei einem Aufenthalt in Paris im gleichen Jahr geriet er in die Ferrer-Unruhen. Er verarbeitete seine Erfahrungen in dem Buch 'Kamerad Fleming'. [1]

Im Jahr 1910 reiste der Schriftsteller wieder in den Osten. Dieses Mal nahm er die Route über Sibirien sowie China nach Japan. Nach seiner Rückkehr heiratete er die Malerin Marie-Henriette Steinhausen. Das frisch vermählte Ehepaar zog nach Dresden-Hellerau um. Dort war Paquet für den Deutschen Werkbund tätig. Aus der Ehe gingen insgesamt sechs Kinder hervor, die in den Jahren 1911 bis 1919 geboren wurden. [1]

Obwohl Paquet im Jahr 1911 eine arbeitsintensive Phase erlebt, veröffentlichte er in der folgenden Zeit einige Gedichte, Erzählungen sowie Reisebücher. Außerdem unternahm der Künstler einige weitere Reisen wie seine Fahrt nach Jerusalem, die ihn zu seinem Buch "In Palästina" inspirierte. [1]

Paquets Aufstieg vom Revolutionär bis zum Rheinischen Dichter (1914 – 1919)

Seit dem Jahr 1904 hatte Paquet bereits einige Positionen bei der FZ inne. Er engagierte sich insbesondere seit 1914 stark für die Zeitung. Er arbeitete als Korrespondent, der sich viel im Ausland aufhielt sowie als Redakteur. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Romane, Gedichte, Dramen, Erzählungen, schrieb Artikel für das Feuilleton der FZ sowie einige Reiseberichte. Paquet arbeitete bis zur Einstellung der Zeitung im Jahr 1943 bei der FZ. [1]

Im Frühsommer des Jahres 1914 zog die Familie Paquet nach Oberursel bei Frankfurt um. Dabei arbeitete Paquet an den Vorbereitungen einer geplanten Wirtschafts- sowie Verkehrsausstellung in der Großstadt mit.  Paquets Konzeption ging dahin, eine friedliche internationale Zusammenarbeit zu propagieren. Eröffnungstermin war allerdings erst im Jahr 1918. [1]

Im Jahr 1914 war für Paquet die Kriegsberichterstattung ein entscheidendes Thema. Dieses Sujet nahm ihn so stark ein, dass er ein Essay mit dem Titel 'Der Kaisergedanke' veröffentlichte. Paquet trat im ersten Weltkrieg, nachdem seine Sympathien für den russischen Bolschewismus nachließen vorwiegend für die Werte der Weimarer Republik ein. Dabei war er ein Vordenker mit seinen Ideen über eine Erneuerung Europas. Deutschland sollte dabei die Rolle als Mittler erhalten und zwischen Ost und West vermitteln. In allen seinen Texten kommt sein Wunsch nach einem pazifistischen Deutschland inmitten einer europäischen Union zum Vorschein. [3]  

Paquet der "Rheinische Europäer" (1920 – 1933)

Im Jahr 1920 gab Paquet die Programmschrift "Der Rhein als Schicksal" heraus. In der Folgezeit baute der Publizist seine Vision von einem rheinischen Europa weiter aus. Dabei beschäftigte er sich in seinen Werken mit wichtigen Themen wie der Planung von Stadt und Land. Ebenso schrieb er über Inhalte wie Wasserwirtschaft. Doch auch politische Themen wie Möglichkeiten einer Reform im Reich sowie geschichtliche Belange bezüglich des Rheins interessierten den Schriftsteller. [2]  

Ab 1922 unternahm der Künstler weitere längere Reisen, die ihn über den Balkan nach Griechenland sowie nach Konstantinopel führten. Diese schildert er in seinem Werk "Delphische Reise". Außerdem legte er seine Ansichten über die Situation nach dem Krieg im folgenden Jahr in seinen Essaybänden Rom oder Moskau sowie im Jahr 1924 in die 'Die Neuen Ringe' dar. [2]

Paquet hoffte noch auf eine Art Wiedergeburt Europas. Seine Vision, in der die Deutsche Republik zwischen Ost und West vermitteltet verstärkte sich. Seine Hoffnung galt der Jugend, die nach seiner Vorstellung ein neues pazifistisches Reich in einem vereinten Europa schaffen würde. [3]  

In der Zwischenzeit hatte sich sein Leben grundlegend geändert. Er hatte mittlerweile den Vorsitz beim "Bund rheinischer Dichter" inne. Daneben war er als Sekretär des Goethepreis-Kuratoriums tätig. Außerdem wurde er im Jahr 1932 in die Sektion für Dichtkunst sowie in die Preußische Akademie der Künste eingebunden. Die bevorstehende politische Krise warf bereits ihre Schatten voraus. [2]  

Der Schrecken des Dritten Reichs (1933 – 1944)

Bereits im Jahr 1933 trat der Dichter aus der Sektion für Dichtkunst aus. Der Grund war seine Weigerung eine Solidaritätserklärung für das NS-Regime zu unterschreiben. [1]

In der nachfolgenden Zeit sah er sich dem Terror des Nazi Regimes ausgesetzt. Flucht und Verfolgung waren an der Tagesordnung. Die Regierung führte seinen Namen auf der Liste der Regime Gegner. Paquet konnte seiner Verhaftung während eines Aufenthalts in Schweden im Jahr 1935 lediglich durch die Hilfe von Freunden entgehen. Überdies fand der Dichter Halt in der Deutschen Gesellschaft der Freunde (Quäker). [1]

Im Jahr 1938 reiste der Schriftsteller nach Amerika. Kurze Zeit später veröffentlichte er sein Buch "Amerika unter dem Regenbogen". Dort stellt er die friedliche gesellschaftliche Situation in Amerika während des Zweiten Weltkrieges dar. [2]
Seine publizistische Arbeit bei der FZ musste er jedoch stark einschränken. Über politische Themen veröffentlichte er während des Krieges so gut wie nichts. Ständig musste er um sein Leben und das seiner Angehörigen fürchten. Dennoch half er anderen Verfolgten soweit es ihm möglich war. [1]


Quellenangaben:

[1] Piecha, Oliver M.: Der Weltdeutsche – Eine Biographie Alfons Paquets, Spreesand Verlag, Wiesbaden, 2016
[2] Delvaux, Peter; Papiór, Jan: Eurovisionen: Vorstellungen von Europa in Literatur und Philosophie, Rodopi, Amsterdam, 1996, S.53 f.
[3] Koßmann, Bernhard: Paquet, Alfons, In: Neue Deutsche Biographie, Band 20, Duncker & Humblot, Berlin, 2001, S.59 f.