Sven Anders Hedin war ein schwedischer Entdeckungsreisender und Reiseschriftsteller. Der Schwede wagte gefährliche Expeditionen in bis dahin unerforschte Gebiete Zentralasiens. Er entdeckte unter anderem den nach ihm benannten Transhimalaya ("Hedingebirge"), die Quellen der Flüsse Brahmaputra, Indus und Sutley sowie Überreste der Chinesischen Mauer. Sein Lebenswerk ist in der posthumen Veröffentlichung "Central Asia atlas" zusammengefasst.[1]
Orient statt Eismeer – wichtige Begegnungen
Sven Hedin wurde am 19. Februar 1865 in Stockholm geboren. Als er 15-jährig die Rückkehr des gefeierten Polarforschers Adolf Erik Nordenskiöld in Stockholm miterlebte, fasste er den Entschluss, selbst Entdeckungsreisender zu werden. Doch sollten Hedins nicht weniger gefeierte Reisen ihn in ganz andere Teile der Welt führen. Ein weiterer Wendepunkt war die Begegnung mit dem Chinaforscher Ferdinand Freiherr von Richthofen. Das Studium bei dem deutschen Geografen – auch Hedin studierte Geografie, Topografie und Porträtzeichnen – bestärkten seinen Entschluss: Er wollte die Landkarte Asiens von ihren weißen Flecken befreien.
Hedins erste Reise: Von Persien nach Bagdad
Nach dem Abitur brach er 1885 nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, auf. Dort unterrichtete er einige Monate als Hauslehrer und begann Latein, Französisch, Deutsch, Persisch, Russisch, Englisch und Tartarisch zu lernen. Später sollten persische Dialekte, Türkisch, Tibetisch, Chinesisch, Mongolisch und Kirgisisch dazukommen. Im April des nächsten Jahres überquerte er das Kaspische Meer. Was dann folgte, sollte in seinem erstem Buch "Durch Persien, Mesopotamien und Kaukasien" 1887 veröffentlicht werden.
An der iranischen Küste angekommen, ritt Hedin weiter nach Teheran, Isfahan und Schiras. In Buschehr am Persischen Golf reiste er mit dem Schiff den Fluss Tigris stromaufwärts nach Bagdad. Über Kermanschah an der irakisch-iranischen Grenze ging es zurück nach Teheran. Sein weiterer Weg nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, führte durch den Kaukasus und über das Schwarze Meer. Am 18. September 1886 traf er schließlich wieder im heimischen Schweden ein.
Nochmal Persien – Gelegenheit macht Diebe
In 1890 begleitete Hedin eine schwedische Gesandtschaft, um dem persischen Schah den Seraphinenorden zu überreichen. Noch ahnte Hedin nicht, dass auch er viele Jahre später einen Orden erhalten sollte: den britischen Ritterorden (KCIE, "The Most Eminent Order oft the Indian Empire"). Seine Erlebnisse veröffentlichte Hedin nach seiner Heimkehr in 1891. Für einige Monate kehrte er an die deutschen Hochschulen zurück und promovierte.
1. Expedition vom Pamir nach Tibet
In 1893 brach er zu seiner ersten Expedition bis in den Norden Tibets auf. Die 26.000 Kilometer lange Reise lief nicht immer nach Plan. Die Besteigung des 7.546 Meter hohen Muztagata im Pamir, auch Vater der Eisberge genannt, misslang. Bei der Wüstendurchquerung der Taklamakan verdursteten angeblich sieben Kamele und zwei Begleiter. Nachgesagt wurde ihm seinerzeit, seinem Forscherdrang nachzugeben und im Zweifelsfall auch Expeditionsmitglieder in der Wüste zurückzulassen. Auf seinen Reisen porträtierte er die Menschen, die Berge und zeichnete Karten, deren Präzision und Ästhetik heute noch Erstaunen hervorruft. Dabei trug Hedin stets eine starke Brille, denn auf einem Auge konnte er kaum sehen. Starken Ehrgeiz und beinahe unfassbarer Leichtsinn zeichneten seine Persönlichkeit aus.[2]
2. Expedition durch Indien
Mit der zweiten Expedition von 1899 bis 1902 reiste er erneut durch Tibet und Kaschmir bis ins indische Kalkutta am Fluss Ganges. Er entdeckte archäologische Ruinen, wie die ehemalige Königsstadt Loulan. In die verbotene tibetische Stadt Lhasa ließ man Hedin allerdings nicht. Insgesamt erstellte er 1149 Kartenblätter mit neu entdecktem Land. Als erster beschrieb er die Yardang-Erosionen in der Wüste Lop Nor (Uigurisches Gebiet). Auf einer Flußexpedition bereiste er in 1934 den "wandernden See" Lop Nor noch einmal.
3. Expedition nach Persien, Tibet und der Transhimalaya
Seine dritte Expedition von 1905 bis 1908 nutzte Hedin nochmals für die Erforschung der persischen Wüsten. Er traf den 9. Panchen Lama und besuchte als erster Europäer den Mount Kailash mit dem heiligen See Manasarovar. Von Indien aus kehrte er nach Stockholm zurück.
4. Expedition in die Mongolei
Eine vierte und letzte Expedition führte ihn die Mongolei, die Wüste Gobi und Xinjiang. In 1925, dem Jahr vor dem Aufbruch zu seiner letzten Expedition nach Zentralasien veröffentlichte der den Memoirenband "My Life as an Explorer". Nach seiner Rückkehr im Jahre 1935 trifft er Adolf Hitler, den er wie auch den Nationalsozialismus bewundert. 1936 hält er im Berliner Olympiastadion die Rede "Sport als Erzieher". Ein letztes Buch, "Große Männer, denen ich begegnete", erschien in 1950. [3]
Seine letzten Jahre verbrachte Hedin in Stockholm, in der Wohnanlage im Haus Norr Mälarstrand 66. Zahlreiche Universitäten, darunter Oxford, Cambridge und Heidelberg zeichneten ihn aus. Am 26.11.1952 verstirbt der weitgereiste Geograf, Topograf, Fotograf, Reiseschriftsteller und Illustrator Hedin nach einem bewegten Leben in Stockholm.
Quellenangaben:
[1] Wikipedia, Online-Quelle; https://de.wikipedia.org/wiki/Sven_Hedin
[2] Flohr, Markus: "Sven Hedin: Recke ohne Rücksicht", ZEIT Geschichte Nr. 2/2018, 13. März 2018; https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2018/02/sven-hedin-expedition-wueste-adolf-hitler
[3] Harders, Levke: "Sven Hedin 1865-1952", Deutsches Historisches Museum, Berlin, 14. September 2014; https://www.dhm.de/lemo/biografie/sven-hedin